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„Der Klimawandel oder doch nur: Das Wetter?“ – Vortrag von Karsten Schwanke

Im Rahmen des wöchentlichen physikalischen Kolloquiums hatten wir für Mittwoch, 9. Januar 2019, Karsten Schwanke eingeladen, über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf das Wetter zu sprechen. Karsten Schwanke hat Meteorologie studiert und bei dem bekannten Klimaforscher Hartmut Graßl in Hamburg seine Diplomarbeit angefertigt. Die Ankündigung des Kolloquiums mit dem Titel „Der Klimawandel oder doch nur: Das Wetter?“ hatte zu großer Resonanz geführt und es waren über 700 Zuhörer gekommen. Der Vortrag wurde auch in den Nachbarhörsaal übertragen, eine Aufzeichnung finden Sie auf dem Videoportal der Universität bzw. unter dem nachfolgenden Link.
Bei der Einführung in das Thema berichtete Prof. Martin Hundhausen, dass Prof. Graßl bereits 1986 gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) vor den Auswirkungen des Klimawandels gewarnt hatte. Die DPG hatte damals gefordert, die jährlichen weltweiten CO2-Emissionen um jährlich 2% zu senken, so dass diese innerhalb von 50 Jahren auf ein Drittel reduziert würden. Tatsächlich haben die Emissionen aber im Mittel um 3% pro Jahr zugenommen.
Karsten Schwanke, der zahlreiche Wissenschaftssendungen produziert hat und gegenwärtig u.a. in „das Wetter vor Acht“ in der ARD zu sehen ist, analysierte die Situation. Der – an sich schöne – Sommer 2018 in Deutschland führte zu Wasserproblemen u.a. am Rhein, so dass die Versorgung der Tankstellen mit Benzin nicht sichergestellt war. Würde Deutschland – so Schwanke – sich ausschließlich selbst mit Lebensmittel versorgen, wären im Herbst die Regale in den Supermärkten leer gewesen, oder zumindest die Lebensmittelpreise deutlich gestiegen.
Anschaulich erklärte er die Auswirkungen der Klimaveränderung auch am Beispiel Nürnberg: Die Mitteltemperatur liegt inzwischen bei 9,9°C und damit um mehr als 1K über dem Wert von 1961-1990. Deutlich drastischer ist es in der Arktis, dort fällt der Temperaturanstieg 10 Mal stärker aus als global. Dadurch sei der Temperaturunterschied zwischen Nordpol und Tropen inzwischen sehr viel geringer geworden. Da dieser Temperaturunterschied für den Jetstream verantwortlich ist, sei 2018 dieser teilweise unterbrochen gewesen und die Wetterlagen waren lange Zeit sehr stabil. Monatelange Trockenheit in Deutschland und schlimme Überschwemmungen südlich der Alpen gehören aus Sicht von Schwanke zusammen.
Karsten Schwanke forderte eine Lösung, in der alle in der Gesellschaft mitgenommen würden. Es könne nicht sein, wenn Menschen, deren ökologischer Fußabtritt sehr klein ist, mehr Kosten für die Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Energien tragen, als andere. CO2-Emissionen müssten also einen Preis bekommen.
Wenn weiterhin nichts unternommen würde, um das Klimaschutzziel von Paris zu erreichen, werde es in Nürnberg bald Temperaturen geben, wie heute in Madrid.